
Gesundheitswirtschaft als Schlüsselbranche
medlands.RUHR will herausragende Standortpotentiale nutzen
Die Gesundheitswirtschaft entwickelt sich aktuell zu einer Schlüsselbranche für Bochum. Rund 24.000 Menschen arbeiten mittlerweile im Bochumer Gesundheitssektor. Mehr als 100 Medizintechnikunternehmen erkämpfen von Bochum aus Marktanteile mit innovativen Ideen, Produkten und Dienstleistungen. Aufgrund der Dichte seiner Krankenhauslandschaft zählt Bochum zu den wichtigsten Klinikstandorten Deutschlands.
Das Klinikum der Ruhr-Universität Bochum behandelt jährlich rund 300.000 Patienten. Die fünf geografisch getrennten Schwerpunktkrankenhäuser wurden 1976 zum Klinikum der Ruhr-Universität Bochum zusammengeführt. Sie genießen heute als „Bochumer Modell“ über die Stadtgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Mit der Ruhr-Universität besitzt Bochum eine der größten Unis des Landes mit einer renommierten medizinischen Fakultät, wobei insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit ein Merkmal der RUB ist: Hier arbeiten Mediziner gemeinsam mit Maschinenbauern, Biologen und Experten anderer Fakultäten.
Durch die Entscheidung der Landesregierung vom Mai 2009, den Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen in Bochum zu errichten, sind Entwicklungschancen nochmals gestiegen. Um diese Potentiale zu nutzen und zusätzliche Wertschöpfung für den Standort zu generieren, wurde die städtische Initiative medlands.RUHR ins Leben gerufen.
Im Team von medlands.RUHR arbeiten Fachleute der Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH (EGR), der Wirtschaftsförderung Bochum und weiterer städtischer Einrichtungen an der Weiterentwicklung der Bochumer Gesundheitswirtschaft.
Zu den Leistungen zählen die Flächenberatung und -vermittlung, die Netzwerkbildung, die Gründungsberatung sowie das Technologiemanagement.
Herzstück liegt im Bochumer Süden
Das Zentrum der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten im Gesundheitsbereich spielt sich im Bochumer Süden, rund um die Ruhr-Universität, ab. Innerhalb weniger hundert Meter entlang der Universitätsstraße sind die Ruhr-Universität, die Hochschule Bochum, der Gewerbepark Technologiequartier, das Technologiezentrum Ruhr, das BioMedizinZentrum Bochum (BMZ), der Gesundheitscampus NRW und der BioMedizinPark Bochum (BMP) angesiedelt. Dieses manchmal als Campus Bochum bezeichnete Areal bildet quasi das Herzstück von medlands.RUHR.
Der Biomedizinpark (BMP) ist die zentrale Entwicklungsfläche für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft, denen er insgesamt etwa 55.000 Quadratmeter bebaubare Fläche in direkter Nachbarschaft der wichtigsten Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung, Gesundheitsverwaltung und Gesundheitswirtschaft bietet.
Ein Vorhaben ist bereits realisiert, drei weitere sind in der Planung: Das Landeszentrum Gesundheit NRW, mit dem medlands.RUHR gemeinsam daraufhin arbeitet, den entstehenden Gesundheitscampus in den wachsenen Gesundheitsstandort Bochum zu integrieren, ist im August 2011 in das neue, von der EGR errichtete Bürogebäude eingezogen.
Die Aesculap Akademie, eine Fort- und Weiterbildungseinrichtung für Mediziner, Pflegepersonal und Klinikmanagement, mit Filialen in Tuttlingen und Berlin wird das medizinische Fachpersonal künftig in Bochum schulen. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten IFK e.V. errichtet gemeinsam mit weiteren Verbänden und Unternehmen ein Zentrum für Gesundheitsberufe. Und die Doktoren Isabell Hoffmann-Klose und Ehemann Joachim Geza Klose installieren mit dem „Zentrum für Naturmedizin in Forschung und Praxis“ ein modernes Zentrum für alternative Medizin. „Verhandlungen mit weiteren Interessenten laufen. Das Interesse ist dabei generell sehr hoch“, betont Johannes Peuling, Leiter der Initiative medlands.RUHR.
medlands.RUHR setzt bei seiner Arbeit aber weit vor dem Zeitpunkt an, an dem es zu einer Baumaßnahme kommt. So geht es innerhalb des Technologiemanagements darum, Wissenschaftler, Unternehmen und weitere Partner wie Mediziner oder Krankenkassen zusammenzubringen, um neue, innovative Produkte und Dienstleistungen gemeinsam zu entwickeln. Dabei werden Technologieprojekte erarbeitet, in denen im Rahmen von Transferplattformen innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen und ein projektorientierter Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in wirtschaftliche Ergebnisse erfolgt.
Ein Beispiel ist die Sensorbasierte Neuronaladapive Prothetik (SNAP), ein Projekt zur Entwicklung neuartiger Prothesen, welche mit Nervensignalen aus dem Gehirn gesteuert werden. medlands.RUHR hat gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft die SNAP GmbH gegründet, die an dieser Entwicklung arbeitet. medlands.RUHR arbeitet an ähnlichen Projekten zum Beispiel in den Bereichen Plasma- und Lasertechnologie oder Telemedizin.
Infos: www.medlands-ruhr.de

Animation der zukünftigen Bebauung von Gesundheitscampus NRW und BioMedizinPark Bochum an der Universitätsstraße. fobo-Bild: medlands.RUHR
medlands.RUHR auf der Medizinmesse MEDICA. fobo-Foto: medlands.RUHR

„Warum schießen Sie auf mich?“
Augusta-Chefarzt Prof. Bremer wurde 1999 Opfer eines Attentats
Es war ein Amoklauf ohne Ankündigung. Am 5. März 2012 erschoss im rheinland-pfälzischen Weilerbach ein krebskranker, verwirrter Rentner zwei Ärzte, verletzte einen Polizisten schwer und richtete dann sich selbst. Als Prof. Dr. Karl Bremer an jenem Montag von der Tragödie erfuhr, wurden schmerzliche Erinnerungen wach.
Denn fast auf den Tag genau vor 13 Jahren wurde er selbst zum Opfer eines ähnlichen Attentats. Vor der Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum, deren Chefarzt er damals war, wurde er damals niedergeschossen. forum bochum-Redakteur Nils Rimkus sprach mit dem 71-jährigen Spezialisten für Hämatologie und Onkologie.
Prof. Bremer, was dachten Sie, als Sie von den Morden in Weilerbach hörten?
Es ist hart und traurig, dass jemand ausrastet und unschuldige Personen opfert. Das Attentat 1999 war tragisch für mich, aber ich lebe. Anders als die beiden Ärzte, die nun leider ihr Leben lassen mussten.
Wie kam es zum Mordversuch, der Sie fast das Leben gekostet hätte?
Der Attentäter, ein Schmied, hatte eine Ehefrau, die Mitte der 90er-Jahre an Krebs verstarb. Wir führten eine Chemotherapie gegen ihren Lungenkrebs durch, die sie gut vertrug, und entließen sie nach einer Woche. Im Heimatkrankenhaus wurde an ihr eine Hirnmetastase diagnostiziert, die zuvor unentdeckt war, und es entwickelten sich zunehmend starke Schmerzen. Der Ehemann steigerte sich in den Wahn, die Ärzte seien an diesem Leid schuld. Das stimmte nachweislich nicht.
War der Mann geistig verwirrt, wie der Täter im aktuellen Fall?
Nein, im Grunde nicht. Er war ein Trunkenbold, der viel Leid über seine Familie gebracht hatte. Seine Tochter und sein Sohn hatte er aus dem Haus getrieben, am Ende hielt nur noch seine Frau zu ihm. Nach ihrem Tod war er sehr einsam, verlor den Halt und fasste seinen Racheplan. Der Erste auf seiner „Todesliste“ war ein Notarzt, den er so massiv bedrohte, dass der mit seiner Familie nach Norddeutschland verzog und ein weiteres Mal, bis er für den Schmied unauffindbar war. Dann war ich dran – vier Jahre nach dem Tod der Frau.
Was geschah bei dem Mordversuch?
Der Mann hatte den Ablauf meines Arbeitstages ausspioniert. Am 3. März 1999, es war abends gegen 20 Uhr, lauerte er mir vor dem Augusta-Krankenhaus auf. Er hatte sein Auto neben meines geparkt und schoss mir durchs offene Seitenfenster in den Rücken, als ich aufschließen wollte.
Haben Sie etwas gespürt?
Ein Mordsknall, Blitz und Donner – ich frage mich, ob etwas mit dem Auto ist, und wieder: Knall, Blitz, Donner! Dann merke ich, wie Blut an meinem Bauch herabläuft. Ich drehe mich um und sehe den Mann in seinem Auto. Ich rufe: „Was soll das, warum schießen sie auf mich?“ Er fuhr weg, ich merkte mir die Autonummer und ging zurück, in die Notaufnahme ...
Hatten Sie denn keine Schmerzen?
Nicht sofort, erst nach einer Minute, auf dem Weg in die Notaufnahme. Hätte ich die nicht erreicht, wäre ich verblutet. Eine Kugel hatte das Becken durchschlagen und den ganzen Bauch. Die zweite Kugel blieb schräg im Beckenknochen stecken. Dort ist sie noch immer.
Was für Folgen hatten die Verletzungen?
Das linke Becken ist taub, ebenso das Bein zur Hälfte. Das war auch der Grund, warum ich 2003 vorzeitig in den Ruhestand musste. Am Anfang waren auch die seelischen Folgen gravierend. Mir war immer das Wohl meiner Patienten besonders wichtig und nun war ich im Ungewissen, fragte mich, ob ich etwas falsch gemacht hatte.
Wie kamen Sie aus diesem Dilemma?
Ich sprach den Attentäter, der einen Tag nach der Tat gefasst worden war, bei der Verhandlung an. Da entschuldigte er sich, sehr glaubhaft. Er war ein gebrochener Mann. Ich konnte ihm verzeihen und mit der Sache ins Reine kommen.
Wissen Sie, was aus dem Täter wurde?
Er wurde zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, hatte aber einen Horror vor der Haft. Er erschoss sich auf einer Friedhofsbank, vor dem Grab seiner Frau.
Sie haben als Mediziner viele Jahre Krebserkrankte behandelt: Haben Sie jemals etwas Ähnliches erlebt?
Nein. Es gab Menschen, die zornig waren, wenn Angehörige starben. Aber sie wurden meist einsichtig, wenn wir mit ihnen sprachen. Wir konnten in jeder Phase einer Tumorerkrankung helfen: Wir konnten heilen und wenn nicht, dann für ein lebenswertes Leben sorgen und dafür, dass die Betroffenen keine Angst vor dem Tod haben mussten. Die Patienten waren meist außerordentlich dankbar.
Nicht nur als Mediziner aktiv: Prof. Dr. Karl Bremer gründete 1984 die Fördergemeinschaft für Krebserkrankte im Augusta-Krankenhaus, die er noch immer aktiv unterstützt. forum-Bild: fobo

TK-Versicherte überdurchschnittlich
zufrieden mit zwei Bochumer Kliniken
Gleich zwei Kliniken in Bochum haben bei der neuesten Patientenbefragung der Techniker Krankenkasse (TK) überdurchschnittlich gut abgeschnitten.
Jeweils über 81 von 100 Patientinnen und Patienten zeigten sich demnach mit den Augusta-Kranken-Anstalten und dem St. Elisabeth-Hospital zufrieden. Die Kliniken wurden dafür mit dem TK-Krankenhaus-Award „Klinikus“ geehrt.
Neben dem Kriterium „allgemeine Zufriedenheit“ bewerteten die Patienten auch den Behandlungserfolg, die medizinisch-pflegerische Versorgung, die Information und Kommunikation mit den Patienten sowie Organisation und Unterbringung in der Klinik. Stefan Eckardt, Krankenhausexperte bei der TK Landesvertretung in Nordrhein-Westfalen: „Die Befragung zeigt, dass nicht nur die technische Ausstattung für die Genesung unserer Versicherten wichtig ist. Sie wollen sich auch gut aufgehoben und betreut fühlen.“
Allein in NRW hatte die TK im vergangen Jahr rund 104.000 Versicherte nach deren Krankenhausaufenthalt angeschrieben. Insgesamt wurden 58.000 Fragebögen ausgewertet und somit für landesweit 278 Krankenhäuser detaillierte Ergebnisse erzielt. Auch der aktualisierte und im Internet zu findende TK-Klinikführer greift auf die Bewertungen der Versicherten zurück. Ergänzt werden sie mit den Qualitätsberichten der Krankenhäuser sowie Angaben über Ausstattung, Anzahl von Operationen und anderen Behandlungen. Eckardt: „Die Daten kann jeder schnell und übersichtlich abrufen. So ist es sehr einfach, sich über Behandlungsmöglichkeiten in der näheren Umgebung oder im gesamten Bundesgebiet zu informieren.“ Der Klinikführer sowie eine Liste aller in NRW ausgezeichneten Kliniken sind auf den Seiten der TK online zu finden.
Das Besondere: Der Klinikführer greift auf Bewertungen von Versicherten zurück. Die TK hat dazu fast 223.000 Versicherte befragt, die in einem der 1.282 größten Krankenhäuser behandelt wurden. Allein in Nordrhein-Westfalen waren 278 Kliniken und 58.000 Versicherte beteiligt. Die Patienten bewerteten dabei die Zufriedenheit mit dem Krankenhaus allgemein, dem Behandlungsergebnis, der medizinisch-pflegerischen Versorgung, der Information und Kommunikation sowie Organisation und Unterbringung.
Nach dem Urteil der Versicherten ist die Zufriedenheit in 80 nordrhein-westfälischen Krankenhäusern sogar in jedem einzelnen der fünf Teilbereiche höher als im Bundesdurchschnitt. Die TK zeichnet diese Häuser mit dem TK-Klinikus und einem Qualitätssiegel aus.
Die Meinungen der TK-Versicherten bilden die Grundlage für Aussagen zur persönlichen Wahrnehmung der Krankenhausqualität. Ergänzt werden die Daten mit Angaben über Ausstattung der Krankenhäuser sowie über die Anzahl von Operationen und anderen Behandlungen. Die TK hat diese Daten in laienverständliche Sprache „übersetzt“.
Gleichzeitig nutzt die TK diese Befragungsergebnisse auch für Gespräche mit den Häusern, um eine echte Verbesserung in der Versorgung für die Patienten zu erzielen.

Gegen den Hausärztemangel:
Ausbildungsverbund Bochum Hattingen
Die Karte zeigt überwiegend rot – und nicht nur Dr. Eckhard Kampe, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), findet das besorgniserregend.
In Bochum und Hattingen – das zeigt die Karte – wird es in den kommenden Jahren eine Unterversorgung an Hausärzten geben. Die vielen roten Flecken zeigen überdeutlich: Nicht nur auf dem Land steht ein großer Hausarzt-Mangel bevor.
Die Faktenlage ist besorgniserregend: 2005 gab es im Bereich der Ärztekammer Westfalen-Lippe noch 340 Facharzt-Anerkennungen für die Allgemeinmedizin. In 2010 und 2011 sank diese Zahl auf 94 bzw. 92. Gleichzeitig erreichen in Hattingen aber ein knappes Drittel (von 34), in Bochum rund ein Viertel (von 207) der Hausärzte ein Alter, in dem viele sich normalerweise in den Ruhestand verabschieden würden. „Können sie aber nicht“, sagt Dr. Kampe. „Sie finden einfach keinen Nachfolger.“ Acht Praxen hätte der KV-Mann im Angebot. Leider aber keine Interessenten.
Um wieder mehr Jungmediziner für die Tätigkeit als Hausarzt zu interessieren, haben die Augusta Kliniken Bochum Hattingen mit der KV sowie vielen Hausarzt-Praxen in Bochum und Hattingen einen Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin aus der Taufe gehoben. Der Verbund startete am 1. Dezember und hat mit Dr. Olaf Hagen, dem Chefarzt der Augusta-Geriatrie, einen erfahrenen Mediziner als Koordinator gewonnen. Es handelt sich um den ersten Weiterbildungsverbund im Großraum Bochum, dessen Bemühungen auch die Ruhr-Universität unterstützt. Die Ärztekammer hat dem Verbund die Weiterbildungserlaubnis erteilt.
Dieser neue Verbund soll angehenden Medizinern die Facharztausbildung erleichtern, „weil wir Klinik und Praxis vernetzen“, so Hagen, „und gleichzeitig für wirtschaftliche Sicherheit sorgen können. Die Ärztekammer Westfalen/Lippe und die KV sponsern nämlich die Ausbildung der Allgemeinmediziner und auch die Krankenkassen subventionieren bundesweit Förderstellen, davon ca. 500 in NRW. In Unkenntnis dieser Fakten, klagt Bernhard H. Schulte, Ressortleiter Aus- und Weiterbildung bei der Ärztekammer, „werden die Mittel aber oft nicht abgerufen.“
Junge Ärztinnen, die am Studienende oftmals bereits Mütter sind, erreicht der Ausbildungsverbund durch Teilzeitangebote, will dadurch auch verhindern, dass gut ausgebildete Frauen dem Gesundheitssystem verloren gehen. „In einer großen Praxis“, so sagt der Hattinger Allgemeinmediziner Dr. Willi Martmöller, „ergänzen sich junge und erfahrene Mediziner. Und fast alle, die sich einmal auf eine Hausarztpraxis einlassen, bleiben schließlich kleben.“ Dass eine viermonatige Tätigkeit in einer Hausarztpraxis während des Praktischen Jahres für die Facharztausbildung voll anerkannt wird, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Dass in den Augusta Kliniken sieben Ausbildungsstellen extra für den Verbund geschaffen werden, ein weiterer.
In einem solchen Verbund sind auch unterschiedliche, individuelle Teilzeitmodell machbar. Die „Gesetze“ allerdings lassen sich nicht aushebeln. „Die Weiterbildungsordnung“, so Dr. Olaf Hagen, „regelt die Minimalanforderungen an einen Facharzt für Allgemeinmedizin: Je zwei Jahre Tätigkeit in der Inneren Medizin und der Praxis, sowie ein weiteres Jahr in der unmittelbaren Patientenversorgung nach Wahl wie z.B. Frauenheilkunde oder Kindermedizin. Und wer das halbtags schultert, muss zehn Jahre an seinem Facharzt arbeiten.“
Die alten Vorurteile machen den Hausärzten übrigens noch heute zu schaffen, obwohl die Kritikpunkte längst ausgeräumt sind. Früher habe man ständig Notdienste machen müssen, erinnert sich Martmöller, aber der sei ja neu organisiert und die Praxen sind deutlich entlastet. „Als ich vor 28 Jahren anfing“, erinnert er sich, „habe ich in Bredenscheid fast jede Nacht Notdienst gehabt.“ Internet www.avkp.de

Radiochirurgie:
Bestrahlung statt Operation
Den Menschen helfen, ohne sie zu operieren, die eigentlich fällige Operation durch eine Bestrahlung ersetzen. „Das ist möglich“, sagt Privatdozent Dr. Stefan Könemann, „seit wir Strahlentherapeuten mit modernsten Geräten Hochpräzisionsmethoden anbieten können.“
„Radiochirurgie“ heißt das Zauberwort und es beschreibt eine Bestrahlungsmethode, die bei ganz bestimmten Krebsmetastasen (Tochtergeschwülsten) zum Einsatz kommt und damit eine Operation gleichwertig ersetzen kann. In den letzten Jahren sind diese Methoden immer weiter optimiert worden – und die Augusta Klinik in Bochum ist eines der Zentren, das Radiochirurgie auf höchstem Niveau anbietet.
Privatdozent Dr. Stefan Könemann hat beim Pressegespräch ein Beispiel an die Wand projiziert, das besonders deutlich zeigt, wann die Stunde der Radiochirurgie schlägt: Ein kirschkerngroßer Tumor direkt am Stammhirn lässt sich nicht herausschneiden. „Der Patient“, so der 45jährige Mediziner, „wäre bei einer Operation sofort tot.“ Eine stereotaktische Bestrahlung allerdings kann dem Menschen helfen.
Das Strahlentherapiezentrum am Augusta ist in den vergangenen drei Jahren massiv gewachsen, hat sein technisches und medizinisches Personal verdoppelt. Erst kürzlich wurde für über 2 Mio. Euro auch ein zweiter Linearbeschleuniger angeschafft, der genau so präzise arbeitet wie das bisherige Gerät. „Damit schaffen wir es allerdings“, so Physiker Jörg Eckardt, „unseren Patienten noch kürzere Wartezeiten anzubieten als bisher.“ Präzision ist am Augusta die Summe von Medizin und Physik. Der Linearbeschleuniger dreht sich um den Patienten. Die Strahlendosis allerdings kommt punktgenau dort an, wo sie hin soll und zerstört das Tumorgewebe mehr als fünfmal so genau wie früher – bei einer Bestrahlung von zwei Seiten. Dr. Könemann kooperiert – neben den Onkologischen Zentren des Augusta – auch mit weiteren Tumorzentren, die ihre Patienten zum Institut an der Bergstraße schicken, um dort Hochpräzisions-Strahlentherapie zu bekommen. Auch eine weitere Methode, die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, kann in bestimmten Fällen einer Operation gleichwertig sein. Dies kann zum Beispiel bei Tumoren der Prostata, der Lunge und des Darms sein. Immer vorausgesetzt, dass es sich um vereinzelte Tumoren handelt.


